DIN EN 1627 erklärt: Widerstandsklassen RC1 bis RC6 im Überblick

Was die Widerstandsklassen RC1 bis RC6 bedeuten, welche für Ihre Wohnung sinnvoll ist und warum „einbruchhemmend

Foto — Prüfplakette an einbruchhemmender Tür

RC2, RC3, einbruchhemmend — wer sich mit Einbruchschutz beschäftigt, stößt schnell auf diese Begriffe. Dahinter steckt die DIN EN 1627, eine europäische Norm, die regelt, wie lange eine Tür oder ein Fenster einem Einbruchsversuch standhält. Klingt trocken, ist aber das Einzige, was beim Einbruchschutz wirklich zählt: geprüfte Fakten statt Werbeversprechen.

Was ist die DIN EN 1627?

Die DIN EN 1627 ist eine europäische Prüfnorm für Türen, Fenster, Vorhangfassaden, Gitterelemente und Abschlüsse. Sie definiert Widerstandsklassen (Resistance Classes, abgekürzt RC) von RC1 bis RC6. Jede Klasse beschreibt, wie lange ein Bauteil einem simulierten Einbruchsversuch mit bestimmten Werkzeugen standhält.

Die Norm selbst beschreibt die Anforderungen und die Klassifizierung. Die eigentlichen Prüfverfahren sind in drei Begleitnormen festgelegt:

  • DIN EN 1628 — Prüfung unter statischer Belastung (Druck, Zug, Hebel)
  • DIN EN 1629 — Prüfung unter dynamischer Belastung (Schläge, Stöße)
  • DIN EN 1630 — Prüfung gegen manuelle Einbruchversuche (mit definierten Werkzeugen und Zeitvorgaben)

Zusammen bilden diese vier Normen das Regelwerk, nach dem unabhängige Prüfinstitute Türen und Fenster testen und zertifizieren.

WK oder RC?

Bis 2011 galten in Deutschland die Widerstandsklassen WK1 bis WK6 nach der älteren DIN V ENV 1627. Mit der Übernahme der europäischen Norm wurden die Bezeichnungen auf RC1 bis RC6 umgestellt. Inhaltlich sind RC2 und WK2 nahezu identisch — wenn ein Anbieter noch von „WK2" spricht, meint er in der Regel dasselbe wie RC2.

Die Widerstandsklassen im Detail

KlasseWiderstandszeitTätertypTypische Werkzeuge
RC1 N3 MinutenVandalismus, kein gezielter EinbruchKörperliche Gewalt: Treten, Gegenspringen, Schulterstöße. Einfache Hebelwerkzeuge.
RC2 N3 MinutenGelegenheitstäterSchraubendreher, Zange, Keile. Keine Angriffe auf die Verglasung.
RC23 MinutenGelegenheitstäterWie RC2 N, aber zusätzlich Angriffe auf die Verglasung (P4A nach DIN EN 356).
RC35 MinutenGeübter TäterZusätzlich zweiter Schraubendreher, Kuhfuß bis 750 mm, einfache Bohrmaschine.
RC410 MinutenErfahrener TäterSäge, Schlagwerkzeug, Akku-Bohrmaschine, Stemmeisen, Meißel.
RC515 MinutenErfahrener Täter mit ElektrowerkzeugBohrmaschine, Stichsäge, Säbelsäge, Winkelschleifer (max. 125 mm).
RC620 MinutenErfahrener Täter mit leistungsstarkem ElektrowerkzeugLeistungsstarker Winkelschleifer (max. 250 mm), Bohrmaschine, Stichsäge.

Wichtig: Die Zeitangaben bezeichnen die reine Arbeitszeit des Prüfers am Bauteil — nicht die Gesamtzeit des Einbruchsversuchs. In der Realität kommen Anfahrt, Ausspähen und Fluchtplanung dazu. Ein Einbrecher, der 3 Minuten an einer RC2-Tür scheitert, gibt in den allermeisten Fällen auf.

Welche Klasse brauche ich?

Die Polizei und die Kriminalprävention empfehlen für Wohnungen und Einfamilienhäuser mindestens RC2. Das deckt den mit Abstand häufigsten Tätertyp ab: den Gelegenheitstäter mit einfachem Werkzeug.

  1. RC1 N — nur für Fenster ohne Erdgeschoss-Zugang

    RC1 N schützt gegen körperliche Gewalt, aber nicht gegen Werkzeug. Das reicht für Fenster in oberen Stockwerken, die nur mit einer Leiter erreichbar wären. Für Haustüren, Wohnungstüren und Erdgeschossfenster ist RC1 N nicht ausreichend.

  2. RC2 — der Standard für Wohnungen

    RC2 ist die empfohlene Mindestklasse für alle Türen und Fenster, die von außen zugänglich sind. Die Verglasung muss nach DIN EN 356 mindestens Klasse P4A entsprechen — also durchwurfhemmend sein. Ein Gelegenheitstäter mit Schraubendreher und Zange scheitert an einer RC2-Tür.

  3. RC3 — bei erhöhtem Risiko

    RC3 empfiehlt sich, wenn ein erhöhtes Einbruchsrisiko besteht: abgelegene Lage, wertvoller Inhalt, bekannte Einbruchserie in der Nachbarschaft. Die Kosten sind deutlich höher als bei RC2, aber die Schutzwirkung steigt spürbar — von 3 auf 5 Minuten Widerstandszeit, gegen härtere Werkzeuge.

  4. RC4 bis RC6 — Gewerbe und Hochsicherheit

    Ab RC4 sprechen wir von Metalltüren, Tresorraumwänden und Bankfilialen. Für Wohnungen sind diese Klassen weder nötig noch wirtschaftlich sinnvoll. Die Kosten liegen im fünfstelligen Bereich, die Montage erfordert spezielle Unterkonstruktionen.

Was „einbruchhemmend" wirklich bedeutet

Der Begriff „einbruchhemmend" ist nicht geschützt. Jeder Hersteller darf ihn verwenden — auch für eine Tür, die keinen einzigen Test bestanden hat. Was zählt, ist das Prüfzeugnis nach DIN EN 1627.

Eine Tür, die nach DIN EN 1627 geprüft und zertifiziert ist, wurde von einem unabhängigen Institut getestet — unter realistischen Bedingungen, mit definierten Werkzeugen, in vorgeschriebener Zeit. Alles andere ist Marketing.

So erkennen Sie eine geprüfte Tür:

  • Prüfzeugnis. Der Hersteller muss ein Prüfzeugnis einer anerkannten Prüfstelle vorweisen können (z. B. ift Rosenheim, PIV, MPA).
  • CE-Kennzeichnung. Seit der Einführung der europäischen Produktnorm sind Hersteller verpflichtet, die Leistungseigenschaften zu deklarieren.
  • Typenschild. Geprüfte Türen haben ein Schild mit der Widerstandsklasse, dem Hersteller und der Prüfnummer.

::info-box{title="Vorsicht bei „angelehnt an RC2""} Manche Anbieter bewerben Türen als „angelehnt an RC2" oder „in Anlehnung an DIN EN 1627". Das bedeutet: Die Tür wurde nicht geprüft. Der Hersteller behauptet lediglich, dass die Komponenten den Anforderungen entsprechen könnten. Ohne Prüfzeugnis ist das wertlos — denn die Sicherheit einer Tür hängt nicht nur von den Einzelteilen ab, sondern vom Zusammenspiel aller Komponenten. ::

Welche Komponenten müssen zusammenpassen?

Eine RC2-Tür besteht nicht aus einem einzigen Bauteil. Die Widerstandsklasse gilt für das Gesamtsystem — Türblatt, Zarge, Schloss, Zylinder, Beschlag und Verglasung müssen aufeinander abgestimmt sein. Ein RC2-Zylinder in einer Spanplattentür ergibt keine RC2-Tür.

Die DIN EN 1627 verweist auf ergänzende Normen für die einzelnen Komponenten:

KomponenteNormMindestanforderung RC2Mindestanforderung RC3
SchließzylinderDIN 18252Klasse 1 BZ (Bohr-/Ziehschutz)Klasse 2 BZ
SchutzbeschlagDIN 18257ES1 (Einbruchschutz Stufe 1)ES2
EinsteckschlossDIN 18251Klasse 3Klasse 5
VerglasungDIN EN 356P4A (durchwurfhemmend)P5A
TürblattMassivholz oder Stahl, geprüft im SystemStahl oder verstärktes Massivholz
ZargeStahl- oder verstärkte Holzzarge, fest verankertStahlzarge, im Mauerwerk verankert

Praxis-Beispiel: In vielen Altbauwohnungen in Heilbronn und Untergruppenbach sehen wir Türen mit einem guten Sicherheitszylinder, aber einem einfachen Kunststoffbeschlag und kurzen Schrauben im Schließblech. Der Zylinder hält — aber der Beschlag wird in zwei Sekunden abgehebelt. Die Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied.

Was kostet eine RC2-Tür?

Die Kosten hängen davon ab, ob Sie eine komplett neue Tür einbauen oder Ihre bestehende Tür nachrüsten:

MaßnahmeKosten (ca.)Schutzwirkung
Nachrüstung: Sicherheitszylinder + Schutzbeschlag + Schließblech300–550 €Deutlich verbessert, aber kein zertifiziertes RC2
Nachrüstung: zusätzlich Bandsicherung + Mehrfachverriegelung600–1.200 €Nahe an RC2-Niveau, nicht zertifiziert
Neue Wohnungstür RC2 (komplett mit Zarge)1.800–3.500 €Zertifiziert nach DIN EN 1627
Neue Haustür RC2 (Einfamilienhaus)2.500–6.000 €Zertifiziert nach DIN EN 1627
Neue Tür RC33.500–8.000 €Zertifiziert, deutlich höherer Schutz
Nachrüsten oder neu kaufen?

Für die meisten Mietwohnungen ist die Nachrüstung der bessere Weg: Sicherheitszylinder, Schutzbeschlag, lange Schrauben im Schließblech und Bandsicherung. Das bringt Sie für 400 bis 600 € auf ein Schutzniveau, das die meisten Gelegenheitstäter abschreckt — auch ohne offizielle RC2-Zertifizierung. Eine komplett neue RC2-Tür lohnt sich vor allem für Eigentümer, die langfristig investieren wollen, oder wenn die bestehende Tür baulich zu schwach ist (Hohlkern-Spanplatte, instabile Zarge).

Nachrüstung: Was wir als Schlüsseldienst machen können

Nicht jeder braucht eine neue Tür. In vielen Fällen reichen gezielte Nachrüstungen, um das Schutzniveau erheblich zu verbessern. Das machen wir regelmäßig in der Region Heilbronn:

Sicherheitszylinder einbauen. Ein Zylinder mit Bohr- und Ziehschutz nach DIN 18252 ist die wirksamste Einzelmaßnahme. Kosten: 120 bis 250 € inklusive Einbau. Dauert 15 Minuten.

Schutzbeschlag montieren. Ein Beschlag nach DIN 18257 (ES1 oder ES2) schützt den Zylinder vor dem Abbrechen und Herausziehen. Kostet 90 bis 180 € inklusive Montage. Wichtig: Der Zylinder darf anschließend nicht mehr über den Beschlag hinausstehen.

Schließblech verstärken. Das Schließblech in der Zarge ist oft nur mit zwei kurzen Schrauben befestigt. Wir tauschen es gegen ein massives Winkelschließblech und verschrauben es mit langen Schrauben (mindestens 40 mm) im Mauerwerk. Kosten: 60 bis 140 €.

Bandsicherung nachrüsten. Hintergreifhaken auf der Bandseite verhindern das Aushebeln der Tür. Kosten: 50 bis 120 €. Sinnvoll bei Türen, die nur zwei Bänder ohne Sicherung haben.

Beratung vor Ort. Wir schauen uns Ihre Tür an und sagen ehrlich, was Sinn macht — und was nicht. Manchmal reicht ein Zylindertausch für 150 €. Manchmal empfehlen wir eine neue Tür und sagen Ihnen, wo Sie die bestellen können. Die Beratung ist kostenlos.

Fenster und die DIN EN 1627

Die DIN EN 1627 gilt nicht nur für Türen, sondern auch für Fenster, Fenstertüren und Rollläden. Bei Einfamilienhäusern kommen über 80 % der Einbrecher durch Fenster oder Fenstertüren — nicht durch die Haustür.

Für Fenster gelten dieselben Widerstandsklassen. In der Praxis bedeutet das:

  • RC2-Fenster haben eine Pilzkopfverriegelung, einen abschließbaren Griff und eine Verglasung nach P4A. Sie lassen sich nicht aufhebeln, auch nicht im gekippten Zustand.
  • Nachrüsten ist möglich: Abschließbare Fenstergriffe (15 bis 30 € pro Fenster), Pilzkopfverriegelung nachrüsten (80 bis 150 € pro Fenster), Aufschraubsicherungen (30 bis 60 € pro Fenster).
Gekippte Fenster sind offene Fenster

Auch ein RC2-Fenster ist im gekippten Zustand nur eingeschränkt geschützt. Die Pilzkopfverriegelung greift erst bei geschlossenem Fenster. Unser Rat: Fenster nie gekippt lassen, wenn Sie das Haus verlassen — auch nicht im ersten Stock.

KfW-Förderung für einbruchhemmende Türen und Fenster

Eigentümer können über die KfW Zuschüsse für Einbruchschutzmaßnahmen beantragen — auch für den Einbau von RC2-Türen und -Fenstern.

  • Zuschuss: 10 % der förderfähigen Kosten, maximal 1.500 € pro Wohneinheit.
  • Mindestinvestition: 500 € (netto).
  • Voraussetzung: Antrag vor Beginn der Arbeiten stellen. Ausführung durch einen Fachbetrieb.
  • Nachweis: Wir stellen die Fachunternehmer-Bestätigung mit der Rechnung aus.

Bei einer RC2-Wohnungstür für 2.500 € ergibt das einen Zuschuss von 250 €. Kombiniert mit einem Versicherungsrabatt (5 bis 15 % auf die Hausratversicherung bei nachgewiesenem RC2-Standard) rechnet sich die Investition schneller als die meisten denken.

Häufige Fragen zur DIN EN 1627

Gilt die Norm auch für Bestandsgebäude?

Die DIN EN 1627 ist eine Produktnorm — sie regelt, wie Türen und Fenster gebaut und geprüft werden müssen. Es gibt keine gesetzliche Pflicht, Bestandsgebäude nachzurüsten. Aber Versicherer und Polizei empfehlen mindestens RC2 für alle zugänglichen Öffnungen. Und manche Hausratversicherungen gewähren Rabatte oder setzen RC2 sogar als Bedingung für die Deckung voraus.

Was ist der Unterschied zwischen RC2 N und RC2?

Der Buchstabe „N" steht für „no special glazing requirements" — also ohne Anforderungen an die Verglasung. Eine RC2-N-Tür wurde auf ihre mechanische Festigkeit geprüft, aber die Glasscheibe (falls vorhanden) muss nicht durchwurfhemmend sein. Für Türen ohne Verglasung ist das irrelevant. Für Türen oder Fenster mit Glaseinsatz empfehlen wir immer das volle RC2 — denn eine Tür mit schwacher Verglasung umgeht der Einbrecher einfach, indem er die Scheibe einschlägt.

Kann ich eine bestehende Tür auf RC2 nachrüsten?

Streng genommen: nein. Die Zertifizierung nach DIN EN 1627 gilt für das Gesamtsystem, wie es vom Hersteller geprüft wurde. Eine nachgerüstete Tür kann funktional das Niveau von RC2 erreichen, wird aber nie ein offizielles Prüfzeugnis bekommen. Für den praktischen Einbruchschutz ist das egal — dem Einbrecher ist es gleichgültig, ob ein Prüfzeugnis an der Tür hängt. Für Versicherungsnachweise kann es relevant sein — fragen Sie Ihren Versicherer, ob Nachweise über die einzelnen Komponenten (Zylinder, Beschlag, Schließblech) akzeptiert werden.

Eine Norm ist kein Verkaufsargument — sie ist ein Versprechen, das im Labor geprüft wurde. Achten Sie auf das Prüfzeugnis, nicht auf den Aufkleber.

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